Neue Zürcher Zeitung, 1. Juni 2007

Superterz am Taktlos Festival, Rote Fabrik, 1. Juni 2007

Inspiration auf diversen Frequenzen

Das Zürcher Elektro-Trio Superterz am Taktlos-Festival 2007
Die Musiker von Superterz verbinden freie Improvisation mit Trip-Hop, Live- Musik mit Studio-Produktion. Heute Freitag wird das Zürcher Trio im Rahmen des 24. Festivals Taktlos auftreten, das vom 1. bis 3. Juni über die Bühne der Roten Fabrik geht.
Die gemailten Pressebilder zeigen ein Studio: ein musikalisches Laboratorium samt weitverzweigtem Instrumentarium, in dem sich die Tradition von herkömmlichen Trommeln und Gitarre vereint mit der Allgegenwart von Kabeln, Tastaturen, Bildschirmen . . . Auf anderen Fotografien sind dann auch die Musiker von Superterz zu sehen, der 45-jährige Schlagzeuger Oliver Schmid, der 39-jährige Gitarrist Marcel Vaid und sein fünf Jahre jüngerer Bruder, der Sound-Bastler Ravi Vaid. Angesichts offiziellen Bildmaterials irritiert nun der Umstand, dass die Personen unscharf abgelichtet wurden und quasi «out of focus» erscheinen (deshalb konnten die Bilder hier nicht abgedruckt werden).


Der Geist ist wach

Im Gespräch mit dem Trio geht einem plötzlich eine den Fotografen entlastende Ahnung durch den Kopf: Könnte es vielleicht sein, dass eine Art Molekularbewegung schöpferischer Erregung die Klangkünstler, die eigentlich einen ausgeglichenen Eindruck erwecken, mitunter in ein inneres Zittern versetzt? Dieses Vibrieren hält den Geist wach für die feinen Frequenzen ästhetischer Entwicklung im Allgemeinen und für die musikalische Grosswetterlage im Speziellen. Gerade diese künstlerische Sensibilität prägt ja die klanglichen und rhythmischen Binnen-Dialoge von Superterz.
Superterz - was eigentlich soll das bedeuten? Wer die Musik des Zürcher Trios hört, die zwischen Improvisation und bündigem Pop changiert, denkt an irgendein Monster-Intervall vom tiefsten Rock-Bass hinauf in die höchsten technoiden Sinus-Töne. Oder an einen gewagten Rösselsprung auf dem Spielfeld musikalischer Gegenwart: von der improvisierenden Avantgarde vorwärts in den deutschen Techno und dann zwei Felder zurück in die Vergangenheit von Bristol.


Eine Band

Superterz sei ganz einfach eine Band, behaupten die Musiker - machen aber kein Hehl daraus, dass sie sich erst nach wiederholten Diskussionen, kontradiktorischen Erörterungen und langem Abwägen zu diesem Resultat durchgerungen haben. Die Geschichte von Superterz begann vor fünf Jahren mit einer komplexen literarisch-musikalischen Kollaboration, mit der Vertonung von Poesie. Seither folgt man multimedialen Idealen, seither lässt man sich ein auf polystilistische Schlaufen, die der Geradlinigkeit von Rock und Pop zu widersprechen scheinen.
Oliver Schmid hatte jahrzehntelang in Experimental-Projekten sowie im Bereich der freien Improvisation gespielt und eine Jazzschule absolviert, bevor er eines schönen Abends auf dem Zürcher Kanzleiareal die Brüder Vaid kennenlernte (die Söhne eines indischen Vaters und einer ostdeutschen Mutter, die 1962 zusammen aus der DDR emigriert waren). Nach Gehversuchen in Punk und Grunge hatten Marcel und Ravi ihr musikalisches Schaffen in ein eigenes Studio in Baden verlegt. Hier experimentierten sie mit Oliver Schmid auf den neuesten elektronischen Klang-Maschinen herum und registrierten, was Elektronik, digitale Technologie, Sampling in den neunziger Jahren der Popmusik brachten. In Zürich boomte die Techno- und Partyszene. Superterz interessierten sich hingegen mehr dafür, neue Sounds traditionellen Songstrukturen einzuschreiben.
Die Arbeit zu dritt begann mit dem Versuch, einen Soundtrack, den Marcel Vaid zu Gedichten des Zürchers Daniel Goetsch im Studio geschaffen hatte, live umzusetzen. Die Energie, die nun in dieses Experiment investiert wurde, reichte dann aus für eine nachhaltige musikalische Verschmelzung - für die Superterz eben. Die drei Musiker sind seither immer wieder auf Kollaborationen aus - mit Textern, Sängern, Produzenten. Es langweilten ihn jene Formationen, gesteht Ravi Vaid, die stets nach dem gleichen Muster funktionierten. Er vergleiche Superterz mit Gruppen wie Massive Attack oder Tortoise, die das Line-up bei jedem Album änderten, erklärt Marcel Vaid.


Alles im Fluss

Die Musik von Superterz bleibt schon durch die Produktionsweise im Fluss: Das Repertoire wächst im Wechsel von Instrumental-Improvisationen und der Arbeit am Computer. Bisweilen wird ein Motiv, ein Beat vorproduziert, um ihn dann live mit Gastmusikern umzusetzen. Das letztes Jahr erschienene Album «Standards» ist ein gutes Beispiel: Was das klangliche Material betrifft, so sind hier die Sounds der neunziger Jahre zu hören - Trip-Hop, Postrock und Minimal Techno. Typisch für Superterz ist dabei, dass die Musik nie überproduziert und putzig wirkt. Typisch ist auch die überbordende Klangfülle, die mehr von künstlerischem Übereifer zeugt als von poppiger Zielsicherheit. - Die «23 Songs + Fragments» auf «Standards» werden übrigens intoniert von Robert Alexander, der sich in der Hardcore-Szene einen Namen gemacht hat, sowie den Sängerinnen Emilie Welti und Priska Zemp - Welti alias Sophie Hunger und Zemp alias Heidi Happy strahlen derzeit gerade als Shootingstars am Schweizer Pop-Firmament. Die drei Freunde von Superterz hingegen, die mit den beiden Sängerinnen lange vor dem Hype gearbeitet und sich also als Talent-Scouts erwiesen haben, machen es sich in der Nische gemütlich. Sie glauben an die Zukunft ihrer musikalischen Experimente, an die Belebung der Elektronik durch Session und Improvisation.


Neue Projekte

Für die nächsten Monate sind drei neue Alben geplant: eine Platte, die man zusammen mit dem Tontechnik-Pionier Jürg Jecklin im Ballsaal des Schlosses Castelmur im Bergell aufnehmen wird. Später dann soll auch wieder ein neues Songs- Repertoire veröffentlicht werden. - Zuvor aber konzentrieren sich die Gebrüder Vaid und Oliver Schmid auf ihr Konzert am Taktlos-Festival in Zürich und die daraus folgende Produktion ‚Superterz live am Taktlos’, wo sie mit der Basler Avantgarde-Pianistin Marianne Schroeder auftreten werden.

Ueli Bernays
Superterz: Standards, 23 Songs + Fragments (Alpinechic/Recrec).

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Superterz 'Standards – 23 Songs & Fragmente’


Tages-Anzeiger / 02.05.2006 / Philippe Amrein

Dekonstruktion - Geräusche und Nebengeräusche: Die beiden Zürcher Bands Superterz und Asphalt Jungle tauften am Samstagabend ihre neuen Alben im Moods
Abstrakte Musikwelten rotieren vor verpixeltem Hintergrund. Die Bandmitglieder beugen sich konzentriert über ihre Instrumente und spielen sich durch das taufrische Repertoire, während Emilie Welti, die man auch von der Band Fisher her kennt, vorne am Hauptmikrofon dem Publikum den Atem raubt. Souverän singt sie sich durch die pointiert pulsierenden Klanginstallationen, die sich vom Triphop der mittleren Neunzigerjahre bis in die postrockig-vertrackten Muster der Chicagoer Schule erstrecken. Das macht durchaus Sinn, immerhin trägt die aktuelle Platte «Standards» den gleichen Titel wie das vorletzte Werk der wegweisenden Band Tortoise. Und auf deren Spuren wandeln auch Superterz. Sie rücken ausgefranste, verfremdete, entstellte und umgedeutete Soundfragmente fortwährend in neue Zusammenhänge und lassen so eine dunkel schimmernde Klangwelt entstehen. Es sind beseelte Geräuschinstallationen, in denen auch dekonstruierte Discofragmente einen gut ausgeleuchteten Platz finden, bevor die Band in ein furioses Finale mit ansteigender Intensität gleitet, allmählich die Wucht steigert und schliesslich mit einem abrupten Schlussakkord den Auftritt beendet.

MUSIEK > Die etwas andere Musik / 31. Oktober 2006 / Ivana Leiseder

Superterz - Standards (RecRec) (Triphop/Electronica)
Superterz aus Zürich vermählen auf ihrem neuen Album Akustik mit Elektronik und weben ein wunderprächtiges Netz zwischen Triphop und Post-Rock. Nicht selten erinnert das fünfköpfige Zürcher Kollektiv auf den 23 neuen Songs und Fragmenten dabei an die isländischen Mum. Genauso märchenhaft gibt man sich, genauso ausgeklügelt, versponnen, überraschend. Es klickt, summt, zirpt, die anspruchsvoll, aber ab und an auch eingängig, werden die elektronischen Leckerbissen dabei von einzelnen Piano- oder Gitarrenklängen ausgeschmückt, die die traumwandlerischen Diskurse erdigen, ihnen etwas Fassbares verleihen. werden die meist ruhigen, ja beruhigenden dabei von den (Gast-)SängerInnen Priska Zemp, Emelie Welti und Robert Alexander, die mit ihren glasklaren, elfenhaften Stimmen Loreleyen mimen, die Herzen der Hörerschaft verzaubernd. Und ehe man sich versieht, ist man in eine andere Welt gesunken, in der nichts ist, wie man's bis anhin kannte; in der die Grenzen aufgelöst sind und sich der Geist der Leichtigkeit des Seins hingeben kann. Sorglosigkeit. Glück. "Standards" ist eine der bemerkenswertesten Schweizer Veröffentlichungen, die die Schreibende bis anhin gehört hat. Es lädt zu einem faszinierenden Traum ein, aus dem man nach 75 Minuten mit einem abrupten Schlussakkord aufgeweckt wird. Es ist eben doch zu schön, um wahr zu sein.

www.tresspass.ch / 30.10.06 / Monthy

Superterz - Standards 23 Songs und Fragmente (Alpinechic/RecRec)
Superterz bringt gewissermassen den Soundtrack für die urbane Einsamkeit und operiert teilweise gefährlich nahe an der Gehirnwäsche. Jedenfalls würde ich einen Supermarkt sofort verlassen, wenn dieser Sound berieselnd aus den Lautsprechern träufeln täte. Nun gut, die Gefahr besteht wegen des nicht gerade hitparadenmässigen Touches nicht unbedingt. Superterz könnte der Sound sein, der sich hinter den ausdruckslosen Gesichtern am frühen Morgen im Zug verbirgt, die zwischen Bett, Kopfhörern und Arbeitsplatz noch nicht allzu aufnahmefähig sind. Denn Superterz ist unterschwelliger Sound, geht voll aufs Unterbewusstsein und lässt die unverdauten Monster aus dem letzten Kino-Abenteuer ungebremst in die Sinnlosigkeit des Alltags krachen. Die selbsterkannte Ähnlichkeit mit Björk stammt massgeblich von Fisher-Leadvoice Emelie Welti und Gastsängerin Priska Zemp. Mit männlicher Stimme tönt das Ganze wahlweise nach Jay Jay Johanssens "Back in town" oder Mobys "Why does my heart". Auch die zweite von der Band genannte Referenz, Massive Attack, lässt sich in gewissen Passagen nicht von der Hand weisen. Andereseits ist Superterz oft noch viel dunkler. Die "23 Songs und Fragmente" kommen reduktionistisch daher und genau so präsentiert sich auch die jungfräulich weisse CD mit Songs ohne Namen.

Stéphane Boutin, www.kuenschtli.ch, 3. mai 06

Am 29. Mai 2006 wiederum beginnt es mit Superterz im Moods, wo die Fremdheit der Musik tatsächlich höchst befremdlich wirkt. Es ist ein einziges Flimmern und Surren, Brummen und Summen, Rauschen und Zischen, wie
der Soundtrack zu einem durchs Netz eilenden E-Mail. Glasfaserpoetik. Doch vor dem inneren Auge ziehen ganze Epen vorbei, Hochkulturen blühen und fallen, Generationen waschen sich gegenseitig aus dem Stoff der Zeit heraus. Und wer weiss? Vielleicht klingt so ja die Musik der Zukunft. Darüber schwebt federleicht der Gesang von Emilie Fisher und erdet diesen herrlich vertonten Elektrosmog tief im Menschlichen.

www.last.fm.ch / 10.04.06

konzert helsinki
06.04. helsinki: superterz - swiss band with new album ( ) good, experimental trip-hop with innovative sound and a nice female voice - however, a long break in the middle of the set is a sin... - and people should shut up while the band plays... ;)

 

WoZ / 7.9.06 / Fredy Bosshard

Superterz - Standards. 23 songs und fragmente.
"Es sind federnde Beats, schwirrende Klänge, Geräusche von elektronischen Kröten, sanfte Pausenzeichen, eine Snaredrum im Hintergrund, Gong- und Glockenklänge, die digital verfremdet werden und in wehmütige Girarren-Klanglandschaften übergehen - und so weite Landschaften imaginieren. Titel Nummer 20 auf der CD 'Standards - 23 Songs + Fragmente' von Superterz gibt die Grundstimmung der CD wieder. Auf Nummer 11 sind während vierzig Sekunden rückwärts gespielte Loops zu hören, die sich mit simplen Marimbaklängen mischen, die diskret im Nirwana der Clicks entschwinden.
Superterz, ein fünfköpfiges Kollektiv aus Zürich, beschäftigt sich mit akustisch-elektronischen Experimenten. Sie schaffen locker den Spagat zwischen Trip-Hop und Postrock, wie man ihn von Tortoise (siehe WOZ 35/06) kennt. Mit den Gastsängerinnen Priska Zemp (Heidi Happy) und Emilie Welti (Fisher) werden einige Titel von 'Standards' zu verträumten Balladen aus einer entrückten Welt."

swissdisc.ch / 30.11.2006 / Hélène Koch

Superterz, entre trip-hop et post-rock
C’est un mélange de rythmes tranquilles ou au contraire obsédants, comme dans la première chanson, servie par la voix fine de la chanteuse Emelie Welti. Un mélange d’instruments acoustiques et électroniques… Avec «23 songs und fragmente», leur 5ème album, les zurichois du groupe Superterz livrent un patchwork musical qui oscille entre les influences de la chanteuse islandaise Björk, Massive Attack et Tortoise. On obtient ainsi de belles chansons électro-pop ou des fragments acoustiques qui livrent des ambiances volontiers étranges et prenantes, mais aussi des pots-pourris assez moyens. Il faut aussi dire que certains sont des improvisations faites sur le moment, que ce soit sur scène ou lors de l’enregistrement en studio. Au final cela donne un album dans l’ensemble intéressant mais assez inégal. Malgré certaines baisses de régime, c’est un disque à découvrir pour ses beaux passages et ses ambiances variées.

ROCKSTAR / 14.11.06 / rgg.

Superterz - Standards. 23 songs und fragmente.
Matrix. Neo betritt erstmals die unterirdische Stadt. Das mysteriöse und irgendwie ästhetische Gedröhn im Hintergrund könnte von Superterz stammen. Was das Zürcher Kollektiv ohne Label, dafür mit viel Liebe und noch viel mehr Bass zusammenwerkelt, erinnert stellenweise an Portishead. Wohl wegen der zartbitteren Frauenstimmen, von denen eine Fisher-Sängerin Emilie Welti gehört. Aber achten sie nicht auf Namen, sondern darauf, dieses Ding möglichst bald in Ihre Plattensammlung aufzunehmen.
Wer das mag, mag auch Air, Archive und Lamb.

bloom.de / 12.12.06 / Vladimir Nowakowski

Da hat sich ja einiges getan, im Hause Superterz! Die Züricher Experiment-Experten haben mit ihrem aktuellen Album „Standards“ nicht nur einen Riesensprung in punkto Selbstbewusstsein gemacht (der Titel ihrer letzten CD lautete noch „Material für den Rand“) , sondern spielen mittlerweile in der internationalen Liga mit. Sie verlassen hiermit endgültig das Staatsgebiet der Alpenrepublik! - möchte man ihnen zurufen, denn die liebevollen Gedichtsvertonungen des Züricher Schriftstellers Daniel Goetsch von damals, weichen nun englischen Texten und souligem Gesang über hippen und coolen Grooves und gesampeltem Wahnsinn, den die drei Superterzen anrichten. Das birgt Vor- und Nachteile, denn einerseits stellt sich die Band (berechtigt!) der internationalen Konkurrenz, ohne zu verflachen – andererseits verlässt sie ein Terrain, dessen Grenzen sie mitgeschaffen und das sie bestens ausgefüllt hat. Aber stetiger Wandel ist eine Grundvoraussetzung des Lebens und der Musik und überdies sehen sich Marcel Vaid, Oliver Schmid und Ravi Vaid als „Plattform für verschiedene musikalische Arbeitsmethoden, Klangforschungen und Stilrichtungen“. So steht es im Info zur CD und so stimmt das auch. Wie auch immer, auffällig und positiv ist auch auf „Standards“ die Tatsache, dass hier echte Musiker und keine puren „Elektronik-Tüftler“ am Werk sind. Woher sonst nähme diese CD ihre erstaunliche Wärme? Superterz kommen im Rahmen ihrer Tournee für drei Konzerte nach Berlin (Termine siehe weiter unten) und wer sich selbst ein schönes Weihnachtsgeschenk machen möchte, sollte sich die Band ansehen und anhören. „Standards – 23 Songs und Fragmente“ gibt es im Plattenladen Deines Vertrauens, ist über superterz.de zu kriegen und auch über iTunes zum download erhältlich.


Kanal K / Homepage

Superterz – Standards (Alpine Chic/RecRec)
Wenn Björk mit Massive Attack kopuliert, heisst das Kind Superterz! Wer sich in spährischen Klängen, wummernden Beats, aussergewöhnlichen Songpassagen verlieren kann, kann beim neuen Album „Standards“ perfekt mitschweben. Was diese Zürcher abliefern ist ein absoluter Hammer in der Trip-Hop Szene.

 


www.kommerz.ch / 10.10.2006 / : Pascal Blum

Superterz – Standards (Alpine Chic/RecRec)
Mit dem selbstbewussten Plattentitel-Tortoise-Zitat im Hinterkopf hört man «Standards» lieber nicht. Die verwehte, erratische Musik der fünfköpfigen Zürcher Formation ist nämlich auf einer ganz anderen Mission: Auf einer von dubbigem Pop, unterbrochen von experimentell angehauchten Downbeat-Intermezzi. Da hatten die «Standards» von Tortoise etwas Avantgardistischeres im Sinn als Superterz mit ihren 23 namenlosen Skizzen. Über elektronische oder akustische, verträumte Wattebeats beschwören hier die Vokalistinnen Emelie Welti (Fisher) und Priska Zemp mit lyrischen Stimmen den Trip-Hop herauf, seine schönen wie furchtbaren Seiten. Gerade Zemp ruft etwa bei Titel drei eine Band wach, die völlig vergessen war. Sie hiess Lamb, war im Gegensatz zu Superterz in Sachen Exzentrik indessen um einiges weiter vorne. Mir passen die zersausten Ambiententwürfe mehr als die in die Front gemischten Frauenstimmen, welche noch die spannendsten Frickeleien mit dem Giftpfeil des gefälligen Elektropops erschiessen. Aber was weiss ich schon. Interessante Band.